“Die radikale Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen ...."

“Die radikale Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen ...."

Zitat:

“Die radikale Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (Karl Marx)

Eine kleine politische Einordnung

Das Zitat stammt aus Karl Marx’ „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“ (1844). Es ist eines seiner dichtesten politischen Programme.

Marx erklärt hier, was nach der Religionskritik kommt. Nicht Atheismus als Weltanschauung.

Sondern Politik.Religion ist für ihn kein Irrtum einzelner Köpfe, sondern ein Symptom realer Verhältnisse.

Wenn diese Verhältnisse Menschen erniedrigen, erzeugen sie Trostreligionen. Wer Religion kritisiert, muss also die Zustände kritisieren, die sie nötig machen. Der Kern des Gedankens „Der Mensch ist das höchste Wesen für den Menschen“ heißt nicht Humanismus im Wohlfühl-Sinn.

Es heißt:

Keine Instanz über den Menschen darf seine Unterwerfung rechtfertigen. Weder Gott, noch Staat, noch Markt, noch Nation, noch Moral.

Der kategorische Imperativ ist hier kein innerer Maßstab wie bei Kant. Er ist ein praktischer Befehl:

Alle gesellschaftlichen Verhältnisse umzuwerfen,

in denen Menschen zu Objekten gemacht werden.

Was hier radikal ist

Würde ist kein Geschenk. Sie ist ein Maßstab gegen die Gesellschaft. Moral ersetzt keine Veränderung. Kritik ohne Praxis bleibt Ideologie.

Marx dreht die Frage um.

Nicht: Warum glauben Menschen?

Sondern: Warum brauchen sie etwas, das sie tröstet?

Heute heißen die höheren Wesen oft anders:

„Sachzwang“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Sicherheit“, „Marktlogik“. Der Satz bleibt aktuell, weil er unbequem ist. Er erlaubt keine Ausrede.

Keine metaphysische.

Keine ökonomische.

Keine technokratische.

Wer ihn ernst nimmt, kann sich nicht mit Reformkosmetik zufriedengeben.

Er fordert Eingriff. Bruch. Veränderung.

Kurz gesagt:

Nicht Gott wird abgeschafft.

Sondern die Verhältnisse, die Menschen klein machen.

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