Iran: Der Angriff ist illegal. Und politisch brandgefährlich.

Iran: Der Angriff ist illegal. Und politisch brandgefährlich.

Die USA berufen sich auf „unmittelbare Bedrohung“. Doch Artikel 51 der UN-Charta erlaubt militärische Selbstverteidigung nur bei einem bewaffneten Angriff – nicht bei einer spekulativen Gefahrenprognose.

„Prävention“ ist kein juristischer Begriff.

Es ist ein politisches Deutungsinstrument.

Wenn diese Schwelle fällt, kann jeder Staat jederzeit behaupten, er handle defensiv.

Das ist nicht Sicherheit. Das ist die Normalisierung von Angriff.

Das Eskalationsrisiko ist real

Der Iran ist nicht isoliert.

Die Hisbollah im Libanon verfügt über zehntausende Raketen.

US-Stützpunkte in Bahrain, Katar oder Kuwait sind direkte Ziele.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energieadern der Welt.

Ein regionaler Flächenbrand würde Ölpreise explodieren lassen.

Inflation würde steigen.

Versorgungsketten würden reißen.

Das sind keine abstrakten Szenarien.

Das sind materielle Folgen.

Militärische Sicherheitslogik reproduziert sich selbst

Die USA handeln nicht nur aus „Sorge“.

Sie handeln aus imperialistischer Logik.

Wer globale Führungsmacht sein will, darf keine eigenständigen regionalen Machtzentren tolerieren.

Iran wird nicht nur als Gefahr gesehen – sondern als Störfaktor in einer Ordnung, die auf US-Dominanz basiert.

Diese Logik ist nicht neu.

Sie hat den Irak zerstört.

Sie hat Libyen destabilisiert.

Sie hat Afghanistan hinterlassen, wie es heute ist.

Und sie wird als „Sicherheitsverantwortung“ verkauft.

Auch in Deutschland sieht man das Muster.

„Staatsräson“ wird so formuliert, dass Kritik an militärischer Eskalation schnell als Illoyalität gilt.

Dialektik statt Lagerdenken

Das iranische Regime ist eine Diktatur.

Es unterdrückt Frauen. Es tötet und verfolgt Oppositionelle, wie zuletzt während des Aufstandes im Januar mit Zehntausenden Toten.

Das bleibt wahr.

Aber es folgt daraus nicht, dass ein Angriffskrieg legitim wird.

Wer sagt: „Das Regime ist schlimm, also ist der Angriff gerechtfertigt“, macht Menschenrechte zum geopolitischen Werkzeug.

Eine linke Position muss beides miteinander verbinden.

- Klare Ablehnung des iranischen Regimes.

- Klare Ablehnung des militärischen Angriffs.

Kein Relativismus.

Aber auch keine moralische Instrumentalisierung.

Was Krieg konkret bedeutet

Stell dir vor:

Du sitzt in Teheran.

Sirenen.

Kein Internet.

Kein Signal.

Gerüchte ersetzen Informationen.

Deine Freundin war bei einer Protestgruppe aktiv.

Jetzt ist sie doppelt gefährdet.

Oder du sitzt in Tel Aviv.

Raketenalarm.

Kinder im Schutzraum.

Krieg ist kein Strategiespiel.

Er ist Angst im Körper.

Und jede Bombe stärkt die Hardliner auf beiden Seiten.

Wer jetzt applaudiert …

… trägt Verantwortung für die nächste Eskalationsstufe.

Sicherheit, die auf Bomben beruht, produziert Unsicherheit. Wer „Prävention“ ruft, normalisiert Angriff. Wer Krieg zur Routine macht, verliert das Recht, von Ordnung zu sprechen.

Eine linke Position ist keine Romantik.

Sie ist die nüchterne Einsicht:

Militärische Gewalt schafft keine stabile Sicherheit. Sie verschiebt Konflikte – und verschärft sie.

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