Katzenliebe im Widerspruch

Warum der Internationale Katzentag auch ein Tag der Anklage sein muss

Heute bekommen Millionen Katzen auf der ganzen Welt Extraleckerlis, neue Spielmäuse und ausgiebige Streicheleinheiten. Zur gleichen Zeit hungern Millionen andere, kämpfen mit Krankheiten, frieren, werden misshandelt oder getötet. Der Internationale Katzentag ist damit ein Tag voller Zärtlichkeit – und ein Tag voller Gewalt.

Zwei Welten, ein Tier

Schätzungen zufolge leben weltweit bis zu eine Milliarde Katzen. Rund 480 Millionen davon sind Straßen- oder Streunerkatzen. Sie sind Wind, Hunger, Krankheit und Gewalt schutzlos ausgeliefert. In vielen Städten werden sie vergiftet oder erschossen, statt mit flächendeckenden Trap–Neuter–Return-Programmen auf humane Weise versorgt und in ihrer Zahl reguliert zu werden.

Zucht als Geschäft – und die systematische Produktion von Leid

In den Wohlstandszonen der Welt boomt die „Luxuskatze“. Von haarlosen Sphynx bis zu extrem kurzbeinigen Munchkins oder flachgesichtigen Persern: Der Markt bedient jeden modischen Fetisch, selbst wenn er für das Tier lebenslange Schmerzen bedeutet – Atemnot, Gelenkprobleme, Hauterkrankungen.

Diese Zucht ist keine „Liebe zur Rasse“, sondern pure Industrialisierung eines Lebewesens. Kapitalismus macht aus Katzen Körper-Experimente mit Preisschild.

Das verdrängte Ökologieproblem

Die romantische Vorstellung vom frei umherstreifenden Stubentiger hat eine ökologische Kehrseite: Milliarden getöteter Wildtiere pro Jahr. In Australien haben verwilderte Katzen dutzende endemische Arten ausgerottet – ein ökologisches Desaster.

Die Schuld dafür liegt nicht bei den Tieren, sondern bei einer Haltungskultur, die unkontrollierten Freigang mit „Freiheit“ verwechselt und Verantwortung auf die Natur abwälzt.

Tierheime am Limit – Wegwerfware Katze

In Großbritannien ist die Zahl der abgegebenen Katzen um ein Drittel gestiegen. Auch in Deutschland berichten Tierheime von Überlastung: Corona-Haustiere werden „zurückgegeben“, wenn das Leben wieder unbequem wird oder die Kosten steigen. Die Katze wird so zu einem Konsumgut mit Rückgaberecht – ein Spiegelbild unserer Wegwerfgesellschaft.

Kulturelle Widersprüche und moralische Doppelmoral

In Europa verurteilen wir scharf, dass in Teilen Asiens Katzenfleisch gegessen wird – zu Recht. Doch wir blenden aus, dass wir selbst Tiere massenhaft für Tierversuche missbrauchen, Designer-Katzen für Profit züchten und Straßenkatzen in Millionenhöhe töten. Moralischer Universalismus ist leicht gefordert, schwer gelebt.

Katzenschutz heißt Systemkritik

- Wer Katzen wirklich schützen will, muss die Strukturen bekämpfen, die ihr Leid produzieren:

- Eine globale Zuchtindustrie, die Tiere als Ware behandelt.

- Fehlende Tierschutzgesetze oder deren Nichtdurchsetzung.

- Ein ökonomisches System, das Tierheime am Hungertuch hält, während Luxus-Züchter:innen Rekordgewinne machen.

Was heute zu tun ist

- Adoptieren statt kaufen.

- Kastrationsprogramme unterstützen, auch international.

- Freigang verantwortungsvoll gestalten – besonders in ökologisch sensiblen Regionen.

- Politischen Druck aufbauen für verbindliche Tierschutzgesetze und Zuchtverbote schädlicher Rassen.

Fazit:

Die Katze ist ein Opfer unserer Widersprüche – geliebt und gleichzeitig verraten. Der Internationale Katzentag darf nicht nur ein Tag des Schnurrens sein, sondern muss ein Tag der Aufklärung, der Forderung und des politischen Handelns werden. Wer Katzen liebt, muss für ihre Freiheit kämpfen – überall.

(c) Kritik & Praxis – Verstehen. Hinterfragen. Verändern.

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