Thesenpapier 2025: Kritik radikalisieren. Klassenverhältnisse analysieren. Gegenmacht organisieren.

Sieben Thesen zur Aktualisierung von Stefan Kalmrings "Die Lust zur Kritik" – aus kritisch-offen marxistischer Perspektive.

These 1: Ohne Klassenanalyse bleibt Kritik harmlos.

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Kritik, die sich nicht auf die Eigentumsverhältnisse, Produktionsweisen und Ausbeutungsstrukturen des Kapitalismus richtet, bleibt im Überbau stecken. Klassenanalyse ist kein akademischer Zusatz, sondern die Voraussetzung für jede revolutionäre Theorie. Rosa Luxemburg wusste: Wer die Klassenfrage umgeht, verliert die Welt aus dem Blick.

👉 Deshalb: Kritik muss auf Akkumulation, Eigentum, Lohnarbeit und Enteignung zielen – lokal wie global.


These 2: Globale Ausbeutung braucht globale Kritik.

Kapitalismus operiert global – also muss es die Kritik auch. Die imperiale Lebensweise (Brand/Wissen), koloniale Kontinuitäten, globale Arbeitsteilung und extraktivistische Regime formen die Weltordnung des 21. Jahrhunderts. Subalterne Kämpfe im globalen Süden – ob zapatistische Autonomie, palästinensischer Widerstand oder feministische Streiks – sind nicht Beiwerk, sondern zentral.

👉 Deshalb: Kritik muss sich mit globalen Kämpfen verbinden und den eurozentrischen Blick durchbrechen.


These 3: Der Staat ist nicht neutral – er ist kapitalistischer Klassenstaat.

Wer den Staat als neutrale Vermittlungsinstanz betrachtet, verkennt seine Funktion: Als Garant von Eigentum, Ordnung und Konkurrenz reproduziert er kapitalistische Herrschaft. Poulantzas, Hirsch, Jessop zeigen: Der Staat ist umkämpft – aber nie neutral.

👉 Deshalb: Kritik muss Repression, Polizei, Recht, Sozialpolitik und Grenzregime als Klassenverhältnisse dechiffrieren – und Gegeninstitutionen aufbauen.


These 4: Der digitale Kapitalismus braucht materialistische Kritik.

Datenökonomie, Plattformarbeit, KI-Optimierung – das neue Kapital ist digital. Aber seine Widersprüche sind materiell: Ausbeutung über Algorithmen, Enteignung über AGBs, Verwertung über Aufmerksamkeit. Die Kritik darf sich nicht mit netzpolitischem Moralismus begnügen.

👉 Deshalb: Wir brauchen eine Ökonomiekritik 4.0 – von der Plattformanalyse bis zur kollektiven Enteignung digitaler Infrastruktur.


These 5: Ohne reale Kämpfe wird Kritik zur Pose.

Kritik entfaltet nur dann Wirkung, wenn sie sich mit Kämpfen verbindet – mit Arbeitsniederlegungen, Mietstreiks, solidarischer Care-Ökonomie und widerständiger Bildungsarbeit. Theorie muss auf die Straße, in die Betriebe, in die Haushalte.

👉 Deshalb: Kritik heißt organisieren. Unterstütze Streiks. Bildet Kollektive. Mach Gegenmacht erfahrbar.


These 6: Moral empört. Strategie verändert.

Zu oft bleibt linke Kritik moralisch empört, aber politisch wirkungslos. Es reicht nicht, das Falsche zu benennen. Wir müssen begreifen, wie wir es überwinden können. Hegemonie, Konflikt, Allianzen, Taktik – Kritik braucht strategisches Denken.

👉 Deshalb: Werde Teil eines strategischen Projekts. Kritik heißt nicht nur Nein sagen – sondern Macht aufbauen.


These 7: Klassenkultur statt akademischer Distinktion.

Kritik muss wieder populär werden – ohne plump zu werden. Volksbildung, Podcasts, TikTok-Marxismus, Kollektivküchen und Memes können mehr sein als Kommunikation: Sie schaffen Erfahrung, Identifikation, gemeinsame Sprache. Klassenkultur ist kein Luxus – sie ist Überlebensstrategie.

👉 Deshalb: Lebe Kritik als Praxis. Schaffe Räume. Baue Brücken. Sei Teil der Gegenkultur.


Fazit:

Wir haben genug analysiert. Jetzt braucht es eine Kritik, die nicht nur weiß – sondern wagt. Nicht nur träumt – sondern organisiert. Nicht nur spricht – sondern kämpft.

Die Lust zur Kritik war ein Anfang. Jetzt braucht es die Kraft zur Veränderung.

(c) Kritik & Praxis – Verstehen. Hinterfragen. Verändern.

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