US-Angriff auf Venezuela: Imperialismus bleibt Imperialismus, egal welche Flagge er trägt
Auch ich verurteile die Entführung von Nicolás Maduro und die Bombardierung Venezuelas durch das US-Militär. Daran gibt es nichts zu relativieren. Es ist imperialistische Gewalt. Punkt.
Was mich irritiert, ist etwas anderes.
Wie schnell und wie geschlossen Teile der deutschen Linken reagieren. Mit scharfer Rhetorik. Mit klaren Schuldzuweisungen. Mit Demonstrationsaufrufen. Der US-Imperialismus wird sofort benannt, verurteilt, moralisch eingehegt. So, wie es sein sollte.
Aber genau diese Klarheit fehlte – und fehlt oft noch immer – beim imperialistischen Krieg Russlands gegen die Ukraine. Keine Erklärung war so eindeutig. Keine Empörung so laut. Kein Aufruf so entschlossen.
Gerade bei Die Linke ist dieser Widerspruch nicht neu. Dort gab und gibt es einen Lernprozess. Er ist schmerzhaft. Er ist unvollständig. Aber er existiert. Und darauf lässt sich aufbauen – wenn er ehrlich weitergeführt wird.
Anders liegt der Fall beim Bündnis Sahra Wagenknecht und bei jenen, die seit Jahren Verständnis für Moskaus Machtpolitik aufbringen. Hier geht es weniger um Lernprozesse als um selektive Empörung. Um ein antiwestliches Reflexschema, in dem Imperialismus nur dann als solcher gilt, wenn er aus Washington kommt.
Das ist keine Friedenspolitik. Das ist politische Heuchelei. Wer imperialistische Gewalt ernsthaft kritisiert, muss sie überall kritisieren. Auch dann, wenn sie von Wladimir Putin ausgeht. Auch dann, wenn sie nicht ins eigene Weltbild passt. Alles andere ist Moral nach Bedarf.
Der Angriff der USA auf Venezuela ist ein klarer Bruch des Volkerrechts. Der seit 4 Jahren andauernde russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein ungeheuerliches Kriegsverbrechen. Linke Politik beginnt nicht bei der Wahl des „richtigen“ Täters, sondern bei der konsequenten Ablehnung von Herrschaft, Expansion und militärischer Gewalt – egal, wer sie ausübt.
Kritik & Praxis heißt: keine doppelten Maßstäbe. Keine geopolitischen Ausreden. Keine falschen Freunde.
